Rekrutierung aus dem Ausland - Notlösung oder strategischer Ansatz

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Win-/Win Situation einerseits - höhere Kosten und Risiken andererseits. Die systematische Rekrutierung aus dem Ausland sollte gut überlegt sein. Der Zentrale Arbeitskreis Personal hat die Situation beleuchtet.

Win-/Win Situation einerseits - höhere Kosten und Risiken andererseits. Die systematische Rekrutierung aus dem Ausland sollte gut überlegt sein. Der Zentrale Arbeitskreis Personal hat die Situation beleuchtet.

Mit Fortschreiten des demografischen Wandels könnte die heute schon bestehende Knappheit speziell an MINT-Fachkräften in Zukunft teilweise existentiell werden, wenn zum Beispiel kleinere Unternehmen in unattraktiven Lagen dringend benötigte Spezialisten nicht mehr bekommen würden. – In vielen Ländern, attraktiv für uns zur Zeit vor allem in Süd- aber auch in Osteuropa, gibt es diese Fachkräfte, die zum Teil dort keine Stelle finden. So liegt der Schluss einer Win-/Win Situation nahe.

Zwar sprechen auch volkswirtschaftliche Argumente dafür, diese Lösung nicht in extenso zu nutzen. Erstes Stichwort ist hier der sogenannte „brain drain" in den entsprechenden Ländern. Dem kann man entgegenhalten, dass z. B. Facharbeiter in Deutschland ausgebildet werden oder Akademiker in ihrem erlernten Beruf arbeiten können. Ein weiteres Thema ist die Frage nach der Integrationsfähigkeit, die je nach Mensch unterschiedlich ausfallen dürfte. Andere Länder berücksichtigen diesen Faktor indirekt in ihrem Punktesystem, in das zum Beispiel Alter und Bildungsstand eingehen. Und schließlich könnte man noch das Argument eines brain drain unsererseits anführen, wenn die Menschen wieder zurückgehen wollen.

Letztendlich werden wir aber vermutlich auf lange Sicht nicht darum herumkommen, uns mit dem Thema zu beschäftigen. Für die Unternehmensseite stehen betriebswirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Wir berichten hier aus der Arbeit des Zentralen AK Personal:

Kriterien für die Entscheidung

Eine Auslandsrekrutierung wird immer teurer sein als eine inländische Stellenbesetzung. Der Entscheidungsfindung als ersten Schritt ist deshalb besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Ansätze: ist eine Auslandsrekrutierung eine Notwendigkeit eher im Sinne einer Notlösung oder handelt es sich um einen strategischen Ansatz?

Argumente für einen strategischen Ansatz wären:

  • wir sind ein global handelndes Unternehmen
  • können wir mit einem Mehr an Diversity Kreativität und Innovativität fördern?
  • ist es besonders wichtig, einer typischen demografiebedingten Altersstruktur vorzubeugen?
  • können wir mit den entsprechenden Mitarbeitern den jeweiligen Marktzugang vorbereiten?

Auf die Notwendigkeit hindeuten können:

  • Dringlichkeit der Stellenbesetzung,
  • spezielles Know-how, das für das Unternehmen inländisch im Moment nicht zu bekommen ist,
  • eine schon länger bestehende Vakanz.

In beiden Fällen sollten alle anfallenden Kosten für das gesamte Projekt betrachtet und geprüft werden, ob Alternativen zur Auslandsrekrutierung in Frage kommen, zum Beispiel:

  • Gibt es Rekrutierungswege, die noch nicht genutzt wurden (soziale Netzwerke, Empfehlung Mitarbeiter)
  • Ist eine Weiterentwicklung von Mitarbeitern möglich? – Zum Beispiel Techniker erledigen Ingenieursaufgaben?
  • Kann die Gründung einer Auslandsgesellschaft das Problem lösen?
  • Kann man ausländische Ingenieurbüros / Dienstleister nutzen?
  • Besteht die Möglichkeit von Kooperationen, z. B. beim Kontakt zu Hochschulen im Ausland
  • gibt es ausländische Absolventen einer deutschen Hochschule?

Wird die Notwendigkeit zwar bejaht, aber die Frage „Geht das mit der Firmenkultur?" verneint, muss man natürlich nach Alternativen suchen. Die Alternativen sind auch dann in die Überlegungen mit einzubeziehen, wenn strategische Argumente überwiegen. Denn das Risiko eines Fehlschlags (Arbeitnehmer lässt sich nicht integrieren) ist bei einer Auslandsrekrutierung selbstverständlich höher.

Wird die Frage nach der Firmenkultur mit einem „jein" beantwortet, sind pragmatische Lösungen zu finden, und Einzelfälle zu lösen. Dennoch ist auch im Fall von „kleinen Zahlen" der Auslandsrekrutierung der Prozess der Auswahl und Integration in durchdachter Weise zu durchlaufen. - Wir setzen das Thema fort und werden hier und in den VDMA Nachrichten dazu berichten.

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