Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein - Vorschläge zur Unterstützung einer Wertschätzungskultur

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Die Mitarbeiter einzubeziehen, könnte man als Königsweg der Wertschätzung bezeichnen. In einem Unternehmen wurde das Thema als eigenes Projekt behandelt und dort war die Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg. In dem Praxisbeispiel haben die Mitarbeiter in Workshops die Maßnahmen zur Wertschätzung gewichtet und mitbestimmt

Wertschätzung individuell erarbeiten

Diesen Ansatz kann man vermutlich generalisieren, denn der Handlungsbedarf dürfte in der Regel von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein. Beispiele für solche Anpassungen sind: Entgeltsystem, Weiterbildung, Führungsstil (Lob und Anerkennung) oder die Berücksichtigung der Verbesserungsvorschläge.

Im Arbeitskreis haben wir den Begriff Wertschätzung operationalisiert:

  • Auf Augenhöhe behandeln (Haltung: „Ich bin ok – Du bist ok")
  • Zuhören
  • Einbeziehen und nach Meinung fragen
  • Menschen und Leistung wahrnehmen
  • Zeit nehmen für Gespräche ( –> einigermaßen gleichverteilt, nicht nur mit einem reden)
  • Konflikte lösen

Kennzeichen einer Wertschätzungskultur

Die Personalleiter zeichneten ein lebendiges Bild eines Unternehmens mit ausgeprägter Wertschätzungskultur.

Die Frage „Woran würden Sie merken, dass eine Wertschätzungskultur besteht?" wurde so beantwortet:

  • Volle Identifikation mit der Firma
  • Jeder grüßt jeden; respektvoller Umgang
  • Man spürt, dass die Mitarbeiter gerne arbeiten
  • Fehler werden offen diskutiert; unter vier Augen
  • Akzeptanz des sinnvollen, „gerechten" und transparenten Entgeltsystems
  • Offenheit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Kritikfähigkeit, empfundene Gerechtigkeit Vertrauen, Vorleben
  • offene Bürotüren
  • Attraktiver Arbeitgeber, Anzahl Bewerbungen, geringe Fluktuation, Nachhaltigkeit
  • Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit der Förderung
  • lebensphasenorientiertes Arbeiten, Wertschätzung ist Bestandteil der Unternehmenskultur, Messung der Unternehmenskultur
  • Lachen, sichtbare Freude
  • Ideen, Vorschläge
  • Gestärktes Wir-Gefühl
  • Steigende Flexibilität
  • Höhere Leistungsbereitschaft und Motivation
  • Freiwillige Übernahme von Verantwortung / Arbeit
  • Offener Umgang
  • Positive Außendarstellung

Maßnahmen auf dem Weg zu einer Kultur der Wertschätzung

Kommunikation, Transparenz, Beteiligung und Einhalten von Werten und Spielregeln könnte man als die zentralen Faktoren benennen, mit denen Wertschätzung vermittelt wird. Freilich gilt dies nicht nur von oben nach unten, sondern sollte auch auf der gleichen Ebene gelebt und von den Mitarbeitern eingefordert werden, auch gegenüber dem Unternehmen.

Folgende Maßnahmen kann das Unternehmen prüfen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen dazu im Überblick:

Mitarbeiter als ganzen Menschen wahrnehmen und akzeptieren

  • Work-life Balance und Berücksichtigung Lebensphasen gehört dazu
    • Home office
    • Haushaltsnahe Dienste vermitteln
    • Arbeitszeitmodelle
    • Lebensarbeitszeitkonten
    • Kindergarten Sportstudio (aber: nicht alles, was „modern" ist, bedeutet wertschätzend)
  • Zuhören lernen, Zeit nehmen, erreichbar sein; Respekt füreinander
  • 360°-Feedback; Mitarbeiterbeurteilungs- und Entwicklungsgespräch; umfassendes Mitarbeitergespräch
  • Die Berücksichtigung der Bedürfnisse/Erwartungen bezüglich Wertschätzung erfragen; Mitarbeiterbefragung
  • Offene Kommunikation der Ergebnisse und Maßnahmen, alle können sich beteiligen
  • Von „oben" vorleben; vorleben der Führungskräfte, vorleben auch bei Mitarbeitern einfordern
  • Training/Coaching der Führungskräfte/Feedbackrunden; auch Mitarbeiter schulen
  • Werte definieren und Mitarbeiter an diesen Werten messen; Integration in Unternehmensziele/Werte; Leitsätze, Leitlinien
  • Erfolge feiern; Erfolge/Misserfolge gemeinsam tragen
  • Transparenz von Unternehmensentscheidungen
  • Gleiche Spielregeln für alle
  • Als Mensch erkennbar sein
  • Gemeinsame Veranstaltungen
  • Beteiligung
  • Angemessenes Entgelt

Wertschätzung macht gesund

Wertschätzung kann bis zu einem gewissen Grade Stress und Belastung kompensieren, da sie Energie zuführt. Dies kann man neben der Alltagserfahrung aus dem Modell der Gratifikationskrise ableiten:

Wenn der eigene Einsatz (etwa in Form von Engagement, Wissen, Zeit, Identifikation, Leistung und Persönlichkeit) nicht durch entsprechende Belohnung (etwa in Form von ausbildungsadäquater Beschäftigung, Lohngerechtigkeit, Arbeitsplatzsicherheit, Weiterbildungs-, Karriere- und Einflussmöglichkeiten) kompensiert wird, so entsteht dadurch Krankheitspotential.